Donnerstag, 9. September 2010

Das ist Stahl und Beton...

Völlig übermüdet komme ich am Wasser an und wie es nun mal so läuft, wenn man seine Sinne nicht beieinander hat, geht so einiges schief. Ich finde den Fotoapparat nicht im Auto – habe ich ihn irgendwo liegen lassen? Ich suche panisch jede Ecke des Busses ab, drehe alles auf den Kopf, rufe meine Freundin an, zu Hause ist er nicht. Bis mir einfällt: Ich hatte Kamerakoffer schon Daheim in die Abhakmatte gesteckt. Alles fällt mir aus den Händen, meine Motorik will nicht wie ich es will. Das Beladen des Trolleys und zum Angelplatz schieben wird zum Kraftakt. Mein Angelplatz ist nach 6 Wochen ohne Betreten zugewachsen mit Brennesseln und die tun was ihr Name verspricht – dazu dieses Wetter: Packe ich mich in Pulli und lange Hose ein gerate ich schnell in schwitzen, ohne ist mir zu kalt. Ich spüre mich nicht richtig. Die Müdigkeit macht mich Taub. Meine Rigs habe ich zu Hause halbherzig vorgebunden, ich muss sie noch fertig machen. Aber erst alles aufbauen, denn es fängt wieder an zu regnen. Bis der Schirm auf dem Engen Platz eingeräumt ist, bin ich durchschwitzt bis auf den Pullover. Man bin ich müde!
Schließlich landet endlich die erste Rute im Wasser. Ich will gerade das zweite Rig fertig machen, als die erste Rute schon abläuft. Ein halbstarker von geschätzt etwas über 7 kg gleitet kurz darauf in den Kescher. Lang ist er und hübsch! Nur zu gerne hätte ich ein Foto mit diesem seltenen Zeiler gemacht, aber ich bin alleine am Wasser und es regnet. Stativaktion ist mir jetzt einfach zu viel des guten, dafür bin ich wirklich nicht in Form. Also schnell zwei Schnappschüsse auf der Abhakmatte und fertig. Neuer 25mm Cf1 Boilie aufs Haar und ab damit zurück an den Erfolgsspot – Das geht ja schon gut los! Wenn das so weitergeht werde ich morgen noch müder sein als heute – warum bin ich nicht einfach ins Bett? Aber nun ist schon alles aufgebaut und es wird Zeit für die zweite Rute. Diese läuft zwei Stunden später ab, weckt mich unsanft. Als ich die Rute greife, spüre ich sofort, dass die Schnur durch ein Hindernis läuft – oder das Inlineblei sich irgendwo verkeilt hab. Der Fisch zieht noch. Langes hin und her, schließlich Schnurbruch – Na super! Ich bin selber Schuld. Aus Faulheit habe ich die Montierte Rute aus dem Urlaub benutzt, darauf ist nur eine 30er-33er Schnur - viel zu dünn für Stahl und Beton! Gleich morgen werde ich sie wechseln, das schwöre ich mir.
Noch einmal muss ich kurz darauf aus dem warmen Schlafsack, diesmal zuckt wieder ein halbstarker Spiegler. Dann kurbele ich die Ruten raus bis 5 Uhr morgens. Pünktlich zum Schleusenterror werfe ich die Ruten ein und komme kaum dazu nochmal ein Auge zu zu machen, drei oder vier Schiffe zwingen mich neu auszuwerfen, weil es meine Montage verspült. Doch endlich kann ich wieder dösen. Pip Piep…was ist das? Ich gucke zur Rute, irgendwas hängt in der Schnur. Was ist das denn?! I gitt! Ein Toter Aal ich will ihn abschütteln, doch keine Chance. Im Gegenteil, das vergammelte Stück Fisch rutscht auf den Haken und sitzt Bombenfest. Na lecker, jetzt muss ich ihn mit der Rigschere abschneiden. Pfui Teufel. Passend dazu steht in der Kanalmitte gerade eine Möwe auf dem Leichnam eines ca.20kg großen Marmorkarpfens und zerpflückt ihn. Makaber wie das Totenfloß von der Strömung mal nach links, mal nach links treibt. Die Möwe pickt unverdrossen darauf ein – Darum Möwenpick..? Ekelig! Der wolkenverhangene Himmel und die absurden Geschenisse, wirken gerade äußerst Lebensfeindlich auf mich. Ich bin immer noch hundemüde. Nachdem das Rig neu ausgeworfen ist, checke ich meine Tasche: Kein Handtuch dabei und auch keine Seife, na toll. Ich wasche meine Hände, so gut es geht im "sauber" Kanalwasser, und lege mich wieder in meinen Schlafsack. Gerade noch rechtzeitig bevor wieder Regen einsetzt. Mein alter Schirm tropft bereits etwas durch, obwohl der Regen nur schwach ist. Ob der mich noch durch den Herbst bringen wird? Heute Nacht schlafe ich mal zu Hause, drei Einzelnächte in Folge mit 3-4 Bissen pro Nacht waren etwas zu viel des Guten...

Bis Bald,
Marki D.

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